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Geschichte der MS

Geschichte der MS

Forschung, Studien, Therapien - die Zeittafel

1421 Der erste dokumentierte MS-Fall: die Heilige Lidwina von Schiedam.
 
1868 Erste Korrelation von klinischen MS-Symptomen mit einer Pathologie des zentralen Nervensystems. Die Krankheit wird von Jean-Martin Charcot als "sclérose en plaques" bezeichnet.
 
1878 Die Rolle des Myelins in der Nervenleitung wird von Louise Ranvier entdeckt.
 
1916 Erste detaillierte mikroskopische Beschreibung von Gewebeeigenschaften in einer Läsion des zentralen Nervensystems in erkranktem Gehirngewebe durch James Dawson.
 
1928 Entdeckung, dass Myelin von Gliazellen der Oligodendrozyten gebildet wird.
 
vor 1935 Rund 30 "Therapien" für MS wurden ausprobiert, auch einige infektionshemmende und entzündungshemmende Mittel sowie physische Manipulationen, psychiatrische Behandlungen und "alternative" Heilverfahren ohne eindeutige Begründung. Kontrollierte Studien, die einen Vorteil gegenüber Placebo nachweisen könnten, gibt es nicht.
 
1933 Die "Akute experimentelle allergische Encephalomyelitis" (EAE) wird als Modell für MS entwickelt.
 
1935 Entdeckung einer MS ähnelnden Tierkrankheit durch Thomas Rivers. Dies weist letztlich auf einen Autoimmunfaktor der Erkrankung hin, wobei Myelin im zentralen Nervensystem angegriffen wird.
 
1937 MS wird mittels Temperaturempfindlichkeit diagnostiziert: der "Heißbadtest"
 
1948-49 Erste Hinweise auf erhöhte Antikörperwerte im Liquor von MS-Patienten. Feststellung, dass EAE durch Immunstörungen der Lymphozyten hervorgerufen wird. Elvin Kabat und andere entdecken oligoklonale Bande in der Rückenmarksflüssigkeit. Damit steht ein diagnostischer Test zur Verfügung, der auf MS hindeutet und sie mit einer Erkrankung des Immunsystems in Zusammenhang bringt.
 
1935-1950 Die Behandlungsversuche für MS konzentrieren sich auf die Verbesserung der Durchblutung (gefäßerweiternde Mittel, Gerinnungshemmer, durchblutungsfördernde Mittel), Vitamintherapie; antiallergische Therapien und Diäten und physische Manipulation (elektrische Rückenmarksstimulation, Massage, Durchtrennung der Nervenwurzel). Keine dieser Behandlungen erfolgt in kontrollierten Studien; ein eindeutiger Nutzen wird nicht nachgewiesen.
 
1952 Entdeckung, dass EAE durch entzündungshemmende und immunsuppressive Mittel gehemmt werden kann.
 
1953 Erste Untersuchungen des Myelinzerfalls in MS-Läsionen.
 
1954-55 Erste präzise definierte diagnostische Kriterien für MS (klinisch und nach Laborwerten) und Entwicklung quantitativer Verfahren zur Klassifizierung der Behinderung.
 
1950er Entdeckung, dass Viren an vielen neurologischen Erkrankungen beteiligt sind.
 
1963-65 Entdeckung von Faktoren im Blut, die myelintoxisch sind und Nervensignale an der Synapse blockieren.
 
1964 Erste elektronenmikroskopische Untersuchung von MS-Läsionen.
 
1969 Abschluss der ersten kontrollierten klinischen Studie über intramuskuläres ACTH bei akuten MS-Schüben; sie zeigt schnellere Erholung von Schüben als ohne ACTH. Dies ist die erste sorgfältige, kontrollierte Studie über eine erfolgreiche Therapie für MS unter Verwendung standardisierter diagnostischer Kriterien und Bewertungsskalen für MS-Patienten vor.
 
1970 Therapien zu Durchblutung und Stoffwechsel werden erprobt und aufgegeben; verschiedene Diäten vorgeschlagen, von denen keine Nutzen zeigt. Erste Behandlungsversuche für MS mittels Immunsuppression durch Medikamente und Röntgenstrahlen.
 
1972 Erster Einsatz der Aufzeichnung visuell und anders evozierter Potentiale zur Unterstützung der MS-Diagnose.
 
1978 Einsatz der Computertomographie zur Sichtbarmachung von MS-Läsionen bei lebenden Patienten.
 
1979 Entwicklung eines Modells der chronischen und schubweise verlaufenden EAE bei genetisch modifizierten, einfach zu benutzenden Mäusestämmen; Bestimmung der wesentlichen Rolle der Immunregulation in diesem MS-Modell-System.
 
1981 Erste Magnetresonanztomographiestudien (MRI) der Myelinbildung. Die Erfindung der MRI revolutioniert die Diagnose der MS, und weitergeführte Forschungen mit diesem Verfahren haben seitdem zu der Vermutung geführt, dass MS eher eine ständig aktive als eine schubweise verlaufende Erkrankung ist.
 
1981 Übereinstimmung über die wesentliche Rolle Placebo-kontrollierter, klinischer Doppelblindstudien für neue therapeutische Wirkstoffe gegen MS.
 
1982 MRI wird erstmals eingesetzt, um Läsionen bei lebenden Patienten sichtbar zu machen.
 
1984 Einsatz von MRI zur Bestimmung klinisch ruhender Läsionen bei MS-Patienten.
 
1988 Erster Nachweis mittels MRI, dass in MS-Gehirnen eine beträchtliche Läsionsaktivität vorliegt, auch wenn die Krankheit klinisch ruht.
 
1988 Erster Einsatz der Magnetresonanzspektroskopie zur Überwachung chemischer Veränderungen in einzelnen MS-Läsionen über die Zeit.
 
1989 Anfängliche Versuche, MRI jährlich oder häufiger durchzuführen, um die Wirksamkeit neuer MS-Medikamente zu überwachen.
 
1980er Durchführung zahlreicher präzise angelegter klinischer Versuche in Pilot- oder abschließenden Studien, z. B.: Copolymer-I-Pilotstudie für die schubweise verlaufende Erkrankung (mögliche Wirksamkeit festgestellt); Copolymer-I-Studien für die chronisch progrediente Erkrankung (keine Wirksamkeit); Cyclosporin A (leichte Wirksamkeit bei erheblicher Toxizität); Alpha- und Beta-Interferon (mögliche Wirksamkeit; Studien laufen noch); 4-Aminopyridin und 3,4-Diaminopyridin (mögliche Wirksamkeit bezüglich Symptomverbesserung); Einsatz oralen Myelins zur Toleranzbildung (mögliche Wirksamkeit).
 
1990-92 Erste gültige Studien über die Lebenserwartung und die Mortalitätsfaktoren bei MS.
 
1992 Berlex Laboratories beantragt beim FDA die Zulassung zur Vermarktung eines Interferon Beta-1-b-Produkts für die schubweise MS. Die Zulassung wird 1993 erteilt. Betaseron/Betaferon ist das erste neue Medikament zur Beeinflussung der Krankheitsursache seit ACTH Ende der sechziger Jahre.
 
1993-2002 Avonex, Copaxon, Rebif und Novantron, die "allgemeinen krankheitsmodifizierenden Therapien", werden nach Betaseron/Betaferon in Europa, Amerika und weltweit zur Behandlung von MS zugelassen.
 
2001 Die Arbeitsgruppe der amerikanischen nationalen MS-Gesellschaft und der MSIF entwickelt die ersten neuen Diagnosekriterien für MS seit 20 Jahren. Die McDonald-Kriterien nehmen MRI und weitere Benchmarks auf, um die Diagnose zu beschleunigen und den Menschen schnelleren Zugang zu krankheitsmodifizierenden Medikamenten zu ermöglichen.
 
2001 Das Sylvia Lawry Centre for Multiple Sclerosis Research in München wird gegründet und es beginnen die Arbeiten zur Schaffung einer "virtuellen" Placebogruppe, die es ermöglichen soll, Wirkstoffe ohne eine Kontrollgruppe zu entwickeln. Diese innovative Forschung soll es Wissenschaftlern auch erlauben, mit der MRI-Technik Änderungen festzustellen und deren Beziehungen zum Verlauf von MS beim Patienten zu klären.
 
2002 Über 100 klinische MS-Studien werden weltweit durchgeführt. Diese umfassen Tests bei primär und sekundär progredienter MS, Versuche mit oral verabreichten Medikamenten und Kombinationstherapien.
 
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