Multiple Sklerose Forschung geht neue Wege

Internationales Zentrum für MS-Forschung in München gegründet.
Ein im Februar 2001 in München gegründetes internationales Zentrum soll die Multiple Sklerose Forschung revolutionieren. Die Multiple Sclerosis International Federation (MSIF) stellt dafür in den kommenden fünf Jahren Spendengelder in Höhe von rund 10 Millionen DM zur Verfügung. Das nach der Gründerin der MSIF benannte Sylvia Lawry Centre for Multiple Sclerosis Research hat seinen Sitz an der TU München.
Die Errichtung des neuen Forschungszentrums in der High-Tech-Region München soll neue Impulse in die MS-Forschung bringen. Durch den Einsatz neuester Informationstechnologien und die Anwendung innovativer statistischer Methoden, wird es in Zukunft nicht mehr notwendig sein, in der Entwicklung von neuen Medikamenten ethisch problematische Placebo-Studien durchzuführen. Dem neue Forschungszentrum stehen die Daten aller wichtigen klinischen Studien und Versuchsreihen zur Verfügung. Aus diesen Informationen errechnen die Forscher am Sylvia Lawry Centre mit Hilfe mathematischer Methoden virtuelle Placebo-Gruppen. Dadurch wird die Entwicklung von Medikamenten für Multiple Sklerose-Kranke in Zukunft schneller, billiger und effizienter.
Das Konzept für das Zentrum wurde von einem Team bestehend aus Mitarbeitern des Instituts für Medizinische Statistik und Epidemiologie von Prof. Dr. Albrecht Neiß und der Spin-off-Firma Trium Analysis Online GmbH entwickelt. Die deutschen Wissenschaftler konnten sich gegen zahlreiche Mitbewerber aus Europa und den USA durchsetzen. Die MSIF, die internationale Dachorganisation von 38 nationalen MS-Gesellschaften, vergab nach einem strengen Ausleseverfahren den Forschungsetat in Höhe von zehn Millionen DM an die Münchner Gruppe. In den kommenden fünf Jahren werden in München Daten gesammelt, aufbereitet und für die Errechnung virtueller Placebo-Gruppen bereitgestellt. Das zu diesem Zweck gegründete Sylvia Lawry Centre for Multiple Sclerosis Research wird als internationales Forum für die Erforschung der Ursachen von MS dienen. Internationale Wissenschaftler werden gemeinsam mit den deutschen Experten auf Grundlagen der Daten versuchen, den Verlauf der Krankheit näher zu bestimmen und neue Methoden für die künftige Entwicklung von Medikamenten für Multiple Sklerose-Patienten bereitzustellen.
Am 9. März 2001 kam in München zum ersten Mal der internationale wissenschaftliche Beirat des Sylvia Lawry Centre zusammen, um die ersten Schritte bei der Errichtung des Forschungszentrums zu diskutieren. Mitglieder des zwölfköpfigen Beirats sind unter anderem die Initiatoren des MSIF-Projekts Prof. Dr. Henry McFarland vom National Institutes of Health, Prof. Dr. John H. Noseworthy von der Mayo Clinic und Prof. Dr. Ian McDonald von der University of London. Der Vorsitzende des Beirats und weltweit renommierte Neurologe, McDonald, äußerte seine große Freude über das neue Forschungsvorhaben: "Dieses Zentrum ist eines der aufregendsten MS-Forschungsprojekte. Ohne diese Initiative würden zukünftige Studien für MS-Medikamente extrem schwierig werden."
In den letzten Jahrzehnten konnten in der MS-Forschung bedeutende Fortschritte erzielt werden, die auch zur Entwicklung erster Medikamente geführt haben. Damit wurde die Wiederholungsrate der Krankheitsausbrüche verringert und der Krankheitsfortschritt verlangsamt. Diese Erfolge bedeuten aber auch, dass es heute ethisch verantwortungslos wäre, weiterhin Medikamententests mit Placebo-Vergleichsgruppen durchzuführen. Es kann nicht erwartet werden, dass sich Patienten für Test zur Verfügung stellen, in denen sie auf die Behandlung ihrer Krankheit mit bereits zugelassenen Medikamenten verzichten müssen.
Die MSIF ist die Dachorganisation von 38 nationalen MS-Gesellschaften. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeit der nationalen Gesellschaften für die Integration MS-Kranker in der Gesellschaft zu unterstützen, die internationale Forschung für neue MS-Therapien zu fördern und den internationalen Austausch unter den MS-Gesellschaften zu fördern.
Das Institut für Medizinische Statistik und Epidemiologie (IMSE) wurde 1968 als Teil des Klinikums der Technischen Universität München gegründet und wird seit 1993 von Prof. Dr. Albrecht Neiß geleitet. Seine Aufgabe ist es, die medizinische Forschung mit modernen statistischen Methoden und neuer Informationstechnologie zu unterstützen. Das IMSE ist für das statistische Training der Medizinstudenten verantwortlich und berät die Forscher des Klinikums in statistischen Fragen. Am IMSE werden zahlreiche internationale Studien durchgeführt. Außerdem ist das IMSE an verschiedenen Projekten der DFG und des BMBF beteiligt. Die Forschungsprojekte des IMSE beschäftigen sich vorwiegend mit der Entwicklung und der Prüfung neuer statistischer Methoden zur Beantwortung klinischer Fragestellungen, wie z.B. die Bewertung neuer Therapien oder die Identifikation von Prognosefaktoren.
Die Spin-off-Firma Trium Analysis Online GmbH, gegründet von Dr. Martin Daumer und Dipl.-Stat. Michael Scholz, bietet innovative Dienstleistungen an und gilt als Expertin für den Einsatz von Internet-Technologien bei klinischen Studien und medizinische Datenanalysen. Trium verknüpft drei Kernkompetenzen: Medizin, Statistik und Informationstechnologie. Das Unternehmen ist in zahlreiche medizinische Forschungsprojekte mit zeit-kritischer und sicherheitsrelevanter Datenverarbeitung involviert. Als Kooperationspartner des Instituts für Medizinische Statistik und Epidemiologie beteiligt sich Trium intensiv an Forschung und Entwicklung. Trium wird durch die "High-Tech-Offensive Bayern" des Bayrischen Wirtschaftsministers gefördert.

Quelle: Sylvia Lawry Centre for Multiple Sclerosis Research (SLCMSR)   14.03.01


Fenster schließen